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Nächster Vortrag am 10.07. 2019 um 19 Uhr 45: Prof. Dr. Gerhard Sauder: Goethes Darstellung seiner Kindheit und Jugend

in Dichtung und Wahrheit. Angesichts seiner zwölfbändigen Werkausgabe, die1806-1808 bei Cotta erschienen war, nahm

Goethe in einem knappen Vorwort zu Dichtung und Wahrheit die Rolle eines Lesers ein, der bei so unterschiedlichen Werken den Eindruck unzusammenhängender Produktionen habe. Wenn es die „Hauptaufgabe der Biographie sei, den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darzustellen,“ so müsse sie die Umstände vergegenwärtigen, unter welchen er seine Werke hervorgebracht habe. An die Stelle der 'Vorsehung', dem leitenden Prinzip älterer Autobiografien, setzt Goethe die Entelechie als gestaltendes Prinzip. Schon in den Tätigkeiten und Erfahrungen des Kindes offenbart der Autobiograph, wie solche Regungen und äußeren Einflüsse schließlich zusammenschießen, durch welche sich ein Dichter bilde. Ausführlicher als andere Autobiographen verweilt Goethe bei den Jahren seiner Kindheit und Jugend ( sechs Bücher!). 

Gerhard Sauder war 1976 bis zu seiner Emeritierung 2006 Professor für neuere deutsche Literatur an der Universität des Saarlandes. Bevorzugte Arbeitsgebiete: Literatur der Aufklärung, des Sturm und Drang und der Empfindsamkeit (Goethe, Herder), des 20. Jahrhunderts, Sozialgeschichte der Literatur, Wissenschaftsgeschichte der Germanistik. Mitherausgeber der Münchner Goethe-Ausgabe, der kritischen Ausgabe der Werke des Malers Müller und der Gesammelten Werke von Ludwig Harig. Seit 1988 Sprecher des St. Ingberter Literaturforums.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeit: Mittwoch, 10. Juli 2019, 19.45

 

Ort: Literaturhaus (Kennedyhaus), Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt

 

 

 

Ort: Literaturhaus, Kasinostr. 3; 64293 Darmstadt

Die ersten drei Teile von Goethes Autobiographie «Dichtung und Wahrheit» folgen mehr oder weniger einem konsistenten Gestaltungsprinzip bzw. Verständniskonzept des eigenen Lebens. Der vierte, erst posthum veröffentlichte Teil scheint dieses autobiographische Konzept in Zweifel zu ziehen bzw. zu dementieren. Jeßing macht in seinem Vortrag den Versuch, vom vierten Teil des Textes ausgehend diesen insgesamt als gescheiterten symbolischen Bildungsroman zu interpretieren.

 

Benedikt Jeßing ist seit 2009 außerplanmäßiger Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Neben der Goetheforschung bilden die Frühneuzeitforschung (Reformationsjahrhundert, Barock), die Literatur der (Früh)-Aufklä-rung, der Roman bis ins 19. Jahrhundert hinein und hochschuldidaktische, wissenschaftspropädeutische Projekte die Schwerpunkte seiner Arbeit.

 

Veröffentlichungen zur Goethe-Forschung: Johann Wolfgang Goethe. Stuttgart und Weimar 1995 .Gem. mitLutz, Bernd/Wild, Inge (Hrsg.): Metzler Goethe-Lexikon. Stuttgart und Weimar 1999. 2. Aufl. 2004. Beiträge zum Goethe-Handbuch: Bd. 3: Goethe als Briefschreiber, Dichtung und Wahrheit. Personen- und Sachartikel in Bd. 4 des Goethe-Handbuchs.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Literaturhaus (Kennedyhaus), Kasino Str. 3, 64293 Darmstadt.    

 Eintritt 5€, Mitglieder frei. Spenden erwünscht; gefördert durch die Sparkasse Darmstadt

Zweihundert Jahre nach dem Erscheinen der ersten beiden Bücher der Italienischen Reise erkennen wir darin Goethes konversionsartigen Bruch mit seiner bisherigen Existenz und eine waghalsige Flucht in ein neues Leben – auf der Suche nach dem authentischen Dasein und nach dem Glück. Dieses modern anmutende Bild der Identitätssuche einer höchst gefährdeten Persönlichkeit zeigt sich vor allem dann in deutlichen Konturen, wenn wir von den für die Italienische Reise redigierten Erinnerungen Goethes an die Kunstschätze des Südens zurückblicken auf jene Spuren, die seine dramatische „Wiedergeburt“ in den Originaldokumenten der beiden italienischen Jahre hinterlassen hat. Der Vortrag wird daher insbesondere die Charlotte von Stein zugedachten Reisetagebücher Goethes sowie die seit September 1786 an sie geschriebenen Briefe in den Blick nehmen.

Michael Jaeger, geboren 1961, studierte in Heidelberg und Berlin Germanistik und Philosophie.  Gastprofessuren nahm er u.a. in China und in den Vereinigten Staaten wahr. Die moderne Ideengeschichte sowie das Thema „Goethe und die Moderne“ stehen im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit. Heute lebt Michael Jaeger als Autor und Literaturwissenschaftler in Berlin. An der Freien Universität Berlin ist er Privatdozent für deutsche Philologie. Derzeit ist er Fellow der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München.

 Fausts Kolonie. Goethes kritische Phänomenologie der Moderne, 3. Aufl. 2010. Global Player Faust – oder: Das Verschwinden der Gegenwart. Zur Aktualität Goethe,.8. Aufl. 2019. Wanderers Verstummen, Goethes Schweigen, Fausts Tragödie – oder: Die große Transformation der Welt 3. Aufl. 2015. Goethe, Faust und der Wanderer. Lebensbruchstücke, Tragödienfragmente,2017; Salto mortale. Goethes Flucht nach Italien. Ein philologischer Essay. Würzburg 2018.

Als „tägliche Buchführung mit sich selbst“ hat Goethe seine Tagebücher angelegt. Der Vortrag macht mit dem Reichtum seiner Lebensstenographie bekannt.  Jochen Golz war 1994-2007 Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs an der Klassik Stiftung Weimar. Seit 1999 ist er im Ehrenamt Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar. Forschungsschwerpunkte: Goethe, Schiller, Jean Paul, Theorie und Geschichte der neugermanistischen Edition.Zur Goethe-Forschung liegen zahlreiche Einzelstudien vor, ebenso zu Schiller, für den er auch zwei Bände der Berliner Schiller-Ausgabe herausgegeben hat. Seine Habilitationsschrift war Jean Paul gewidmet: „Welt und Gegen-Welt in Jean Pauls ‚Titan‘“, Stuttgart 1995.

 

 

 

Die Campagne in Frankreich 1792 und das ‚Schwesterwerk‘ Belagerungen von Maynz erschienen 1822 unter dem gemeinsamen Titel Aus meinem Leben als Folgeband der in den Jahren zuvor bereits veröffentlichten Teile von Dichtung und Wahrheit und der Italienischen Reise, mithin als Fortführungen von Goethes Autobiographie. Er berichtet von seiner Teilnahme an den Feldzügen gegen das revolutionäre Frankreich, seiner (wie er in einem Brief schreibt) „wunderlichen Militärlaufbahn“. Zugleich sind Campagne und Belagerung, motiviert in Erfahrungen der frühen zwanziger Jahre, politische Texte. Goethe nimmt darin, wenngleich zumeist auf indirekte Weise, Stellung zu restaurativen Interventionspolitik und zu grundsätzlichen politischen Fragen, zu Krieg und Frieden, Revolution und staatlicher Ordnung.

 

Reiner Wild, bis zur Emeritierung 2009 Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Mannheim. Veröffentlichungen zur Literatur-, Geistes- und Sozialgeschichte des 18. Jahrhunderts, zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, zur Theorie der Literaturwissenschaft und zur Kinder- und Jugendliteratur, zu Mörike und zu Goethe: Herausgabe der Bände 4.1 und 14 der ‚Münchner Ausgabe‘; zahlreiche Aufsätze und Beiträge, insbesondere zu seiner Lyrik; Monographie Goethes klassische Lyrik (1999).